European Cyber Security Challenge (ECSC) – Nachbericht: Gemeinsam viel erreicht

Team-Play

Mit einer Mischung aus Anspannung und Vorfreude begann am Morgen des 9. Novembers die European Cyber Security Challenge 2016. 99 junge IT-Talente – Schüler und Studenten – waren aus zehn Ländern angereist, um gegeneinander in verschiedenen Hacking Challenges anzutreten. Eine ungewohnte Situation für alle Beteiligten. Wo sonst treffen so viele Gleichgesinnte aus verschiedenen Nationen aufeinander? Da war es gut, dass die Teams schon zwei Tage zuvor aus den verschiedensten Ecken Europas angereist waren. So konnten sie sich bereits kennenlernen, gemeinsame Abende verbringen, Barrieren abbauen und Freundschaften schließen. Die ECSC ist nicht nur ein Hacking-Wettbewerb – sie bringt auch Menschen mit gleichen Interessen und Ideen zusammen, die sich vielleicht sonst nie begegnet wären. Am Finaltag wurden sie wieder für acht Stunden Konkurrenten.
Fast Hundert Hacker in einem Raum. Zehn Teams plus Betreuern, Funktionären, Gästen und Presseleuten. Eng war es, laut und chaotisch anmutend. Immer wieder blinkten Warnleuchten auf, heulten Lautsprecher laut auf. Aber das Chaos hatte Methode. Erstaunlich konzentriert arbeiteten die jungen IT-Talente an den Challenges, als wäre der Trubel um sie herum gar nicht da. Immer wieder durchbrachen einzelne Jubelschreie den Lärm, wenn eine Challenge gelöst war, ein anderes Team gehackt wurde oder die eigene Sicherheitslücke geschlossen werden konnte.
Am lautesten jubelten die Spanier. Jedes Team musste verschiedene Dienste  verteidigen und nebenher die Dienste der anderen Teams angreifen. Das spanische Team entdeckte als erstes zwei Sicherheitslücken und startete erfolgreiche Angriffe gegen die anderen neun Teams. Schon bald hatten sie einen riesigen Vorsprung. Während die Spanier jubelten, versanken die Schweizer am Nebentisch in konzentrierte Stille. Der Erfolg des einen bedeutete die Herausforderung des anderen. Sie mussten jetzt die Angriffe der Spanier abwehren, die Sicherheitslücken schließen und ihrerseits Punkte machen.
Der spanische Erstschlag war ein Signal an die anderen Teams. Die Challenge begann jetzt erst richtig. Im Raum wurde es langsam deutlich lauter, als sich nach dem ersten Schock auch die ersten Erfolge einstellten. Eifrig flitzten die Betreuer durch den Saal, versorgten ihre Teams mit Informationen des Hacking-Lab Teams oder dem nächsten Energy Drink. Tastaturen klapperten und Köpfe wurden verschwörerisch hinter Monitoren zusammengesteckt. Die Betriebsamkeit stieg noch mehr, als eine Challenge um einen versteckten Code in einem Radiosignal begann. Die Teilnehmer liefen dafür mit Antennen durch den Raum – auf der Suche nach dem besten Punkt, um das Signal aufzufangen.
Auf dem Scoreboard drückte sich die rege Betriebsamkeit ebenso aus. Das Feld rückte wieder näher zusammen. Die Spanier bekamen ernsthafte Konkurrenz aus Rumänien, die nun ihrerseits für Partystimmung im Saal sorgten. Da durfte ein spontanes Tänzchen zwischendurch nicht fehlen. Und auch das deutsche Team legte kräftig zu. In den ersten Stunden des Wettbewerbs waren sie abgeschlagen, nun wurden sie zur ernsthaften Bedrohung für die Österreicher auf Platz 3. Diese beiden Kämpfe sollten bis zum Ende der Challenge spannend bleiben, denn nicht nur die beim Hacking erzielten Punkte waren für den Ausgang entscheidend: auch eine Präsentation vor dem Publikum der direkt nebenan stattfindenden IT-Konferenz zählte zum Endergebnis dazu – und das mit satten 20 Prozent.
Die Hacker mussten dabei eine ihrer Challenges vorstellen: Problem, Herangehensweise, Lösungsweg. Die Präsentation wurde in Englisch gehalten, ein Heimspiel also für die Teams aus Großbritannien und Irland. Die Sprachbarriere sollte aber auch für die anderen Teilnehmer kein Hindernis darstellen, so dass sich das Publikum auf Vorträge mit estländischem, griechischem oder schweizer Akzent freuen durften.
Als die letzten Sekunden heruntergezählt waren und der Schlusspfiff ertönte, brandete Applaus auf und Jubelgeschrei drang durch den Saal. Die Platzierungen waren zweitrangig, alle waren glücklich, den Tag der Challenge gemeinsam gemeistert zu haben. Die Teams fielen sich in die Arme, gratulierten den Gegnern, die jetzt wieder zu Freunden wurden. Die Siegerehrung verlief entsprechend: Jedes Team wurde einzeln auf die Bühne gerufen und von den anderen gefeiert. Platzierungen spielten hier keine Rolle mehr, wenn Irland und Liechtenstein den selben Applaus wie Deutschland und Rumänien bekamen. Am meisten zu feiern hatten die Spanier, die ihren frühen Vorsprung doch noch hauchzart ins Ziel retten konnten.
Nachdem die Anspannung des Tages verflogen war, wurde ausgelassen gefeiert. Die Teams vermischten sich und wurden zu einer großen Familie. Auch die Betreuer und vielen Helfer, die all das überhaupt ermöglicht hatten, fanden nun endlich die Zeit, sich auszutauschen, Kontakte und Freundschaften zu knüpfen, die vielleicht noch lange Zeit und über viele Ländergrenzen hinaus Bestand haben werden. Das ist vielleicht der größte Verdienst der European Cyber Security Challenge und auch der Grund, weshalb alle Beteiligten die nächste Ausgabe kaum abwarten können: Sie findet und fördert nicht nur große Talente, sondern lässt auch Grenzen verschwinden. Denn gemeinsam lässt sich so viel mehr erreichen, als allein.

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